Zeit ist Geld

Zeit = Geld

„Zeit ist Geld.“ Ein Spruch, den man schon hundertmal gehört hat und der irgendwann einfach nach Kalenderweisheit klingt.

Doch sobald du selbständig bist – besonders als Dienstleister – bekommt dieser Satz plötzlich eine ganz andere Bedeutung…

Die eigene Zeit

Als Angestellter ist es meistens egal, ob du für eine Aufgabe 30 Minuten oder zwei Stunden brauchst.
Dein Gehalt bleibt gleich.

Als Selbständiger sieht das anders aus.
Jede Stunde, die du mit etwas verbringst, das keinen Umsatz bringt, ist eine Stunde, in der du auch einen Kunden bedienen oder an deinem Unternehmen arbeiten könntest.

Und irgendwann fragst du dich automatisch:

„Was könnte ich in dieser Zeit eigentlich verdienen?“

Einfaches Beispiel

Ein einfaches Beispiel:
Du musst beruflich mit der Bahn von München nach Frankfurt.

Mit dem Regionalzug bist du vielleicht deutlich länger unterwegs als mit dem ICE.

Der ICE kostet mehr.
Aber wenn du dadurch früher ankommst und diese gewonnene Zeit für einen Kunden nutzen kannst, sieht die Rechnung plötzlich anders aus.

Ist der günstigere Zug wirklich günstiger?

Genau diese Frage stellt man sich als Selbständiger immer häufiger.

Selber machen?

Das gleiche gilt für viele andere Entscheidungen.
Zum Beispiel:

Du ziehst mit deinem Unternehmen in ein neues Büro.
Sollst du den Umzug selbst organisieren, Möbel schleppen und alles über mehrere Tage verteilen?

Oder beauftragst du eine Umzugsfirma und kannst nach kurzer Zeit wieder arbeiten?

Natürlich kostet die Umzugsfirma Geld.
Aber deine eigene Arbeitszeit kostet ebenfalls Geld.

Und manchmal ist es wirtschaftlicher, Geld auszugeben, um Zeit zu sparen.

Kleinigkeiten

Das lässt sich sogar auf Kleinigkeiten übertragen. Zum Beispiel:

Du brauchst neues Büromaterial.
Anbieter A ist zwei Euro günstiger als Anbieter B.

Jetzt könntest du 30 Minuten Preise vergleichen, verschiedene Shops durchsuchen und am Ende die Bestellung bei Anbieter A aufgeben.

Du hast zwei Euro gespart.
Aber was hätte deine Arbeitszeit in diesen 30 Minuten erwirtschaften können?

Nicht jede eingesparte Ausgabe ist automatisch eine wirtschaftliche Entscheidung.

Handwerker

Auch für Handwerksbetriebe ist diese Überlegung wichtig.

Ein Auftrag bringt beispielsweise 150 € Umsatz – inkl. Anfahrt.
Dafür muss der Handwerker aber jeweils 45 Minuten hin- und zurückfahren und anschließend eine Stunde arbeiten.

Lohnt sich der Auftrag wirklich?

Fahrtzeit, Organisation und andere nicht abrechenbare Zeiten kosten Zeit.

Zeit ist also immer ein Kostenfaktor auch wenn sie auf der Rechnung nicht auftaucht.

Verwaltung

Auch bei Büroarbeit stellt sich die gleiche Frage.

Soll ich die Buchhaltung vorbereiten?
Soll ich Angebote selbst erstellen?
Soll ich mich stundenlang mit einer Software beschäftigen?
Soll ich meine Website selbst pflegen?

Natürlich kann man vieles selbst machen.

Die entscheidende Frage ist aber:
Ist es wirtschaftlich, dass ich es selbst mache?

Wenn eine andere Person die Aufgabe schneller oder günstiger erledigen kann als der Wert meiner eigenen Arbeitszeit, kann Outsourcing sinnvoll sein.

Effektivität

„Zeit ist Geld“ bedeutet deshalb nicht:
Jede Minute muss Geld bringen.

Es bedeutet vielmehr, die eigene Zeit bewusster zu betrachten.

Welche Aufgaben bringen Umsatz?
Welche Aufgaben halten das Unternehmen am Laufen?
Welche Aufgaben kann jemand anderes übernehmen?

Und wo verschwende ich vielleicht Zeit, nur weil es auf den ersten Blick günstiger erscheint?

Auch privat

Interessanterweise hört das nicht unbedingt nach Feierabend auf.
Auch privat beginnt man plötzlich anders über Zeit nachzudenken.

Lieber eine Stunde länger im Zug sitzen oder etwas mehr bezahlen?
Selbst den Schrank aufbauen oder jemanden dafür bezahlen?
Einen halben Samstag mit einer Aufgabe verbringen oder sie erledigen lassen?

Natürlich muss nicht jede Entscheidung wirtschaftlich optimiert werden.
Aber man entwickelt ein anderes Bewusstsein dafür, wie wertvoll die eigene Zeit eigentlich ist.

Die Arbeitsstunde

Gerade in Deutschland ist Arbeit teuer.
Nicht nur wegen des Lohns, sondern auch wegen Sozialabgaben, Steuern, Urlaub, Krankheit und weiterer Personalkosten.

Deshalb lohnt es sich für Unternehmen regelmäßig zu prüfen:
Was kostet mich eine Stunde Arbeitszeit – und wofür setze ich sie ein?

Das kann dazu führen, dass eine Ausgabe von 50 € wirtschaftlicher ist als zwei Stunden eigener Arbeit.

Fazit

„Zeit ist Geld“ klingt zunächst nach einem ziemlich abgedroschenen Spruch.
Seit ich selbständig bin, verstehe ich ihn anders.

Es geht nicht darum, jede freie Minute in Umsatz zu verwandeln.
Es geht darum, den Wert der eigenen Zeit zu erkennen und Entscheidungen bewusster zu treffen.

Manchmal ist es wirtschaftlicher, Geld auszugeben, statt Zeit zu investieren.

Und manchmal ist die günstigste Lösung eben nicht die billigste.

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